Zeiträume sind auch nichts

24. November 2011

wir machen gar keine Striche mehr, wir ziehen

nur noch von Punkt zu Punkt

bei dir sein bei mir bleiben, sagst du

ich solle doch

bei mir bleiben. und so fort

ein kreatives Bier das Tier in dir

in mir ist immer was los

weiter machen

was fällt dir ein

jede Menge

ist das was sie ist

Allerhand

Ich kann mich nicht mehr erinnern wann es mal schlimmer war. Die letzten Tage bin ich herum gestolpert wie ein verliebter Teenager. Dabei bin ich das gar nicht, aber es könnte so aussehen. Kopflos sein ist nicht mit Herzlosigkeit zu vergleichen. Immer wieder muss ich mich an die Nacht erinnern, in der wir die Küche vollgeschrieben haben und Anton nebenbei Gemüse kochte. Er hat öfter für mich gekocht als irgendjemand sonst. Nach 2 Stunden war die Küche voll. Wir haben Wörter mit Herz drin gesammelt. Der Platz an den Wänden hat ganz genau ausgereicht. Es sieht schön aus. Jetzt bin ich ein wenig neidisch. Dazu haben wir ganz laut Radio gehört, irgendwelche Polensender. Ich habe fast geweint vor Glück und mir beinahe in die Hose gepullert, das weiß ich noch. Als plötzlich seine hochschwangere Mitbewohnerin in ihrem hundert Jahre alten Nachthemd in der Tür stand und irgendwas mit sie platze jetzt gleich und hält das nicht mehr aus gebrüllt hat, konnte ich nicht mehr. Nach meinem Lachanfall habe ich ihr dann erklärt dass das so sein muss grad und sie solle es doch einfach genießen und sich zu uns setzen, ich würde ihr auch eine Stulle schmieren bis die Nudeln fertig sind. Sie wollte nicht, sie tobte und mir wurde mulmig bei dem Gedanken an eine Hausgeburt. Dann überredete ich Anton wenigstens das Radio leiser zu drehen und das wir im Flur jetzt lieber doch nicht alle Wörter mit Liebe sammeln sollten. Er war einverstanden und Theresa konnte glaube ich wieder einschlafen. Ich mag sie. Theresa ist eine dieser Frauen, die ganz ehrlich sind. Das macht sie sehr liebenswert. Nach dieser Nacht hat sie mich ca 10 Tage ignoriert und nur mit einem Knurren begrüßt. Solche Menschen tun gut, sie sind eben so wie sie sind. Mit Ihnen bekommt Zwischenmenschlichkeit einen Sinn und die Löcher in die man dann manchmal zusammen fällt sind tief und wir nehmen uns einfach die Zeit. Reden solange bis es wieder gut ist. Unzählige Abende haben wir zusammen in dieser Wohnung verbracht. Manchmal auch zu zweit wenn Anton mich versetzt hat oder Theresa anrief und ich dann sofort und ohne Widerrede rüber kommen sollte. Diese „Zusammen in einer Straße Zeit“ war mit die Schönste meines Lebens. Es ist soviel passiert, wir haben so schöne Dinge gemacht, die wirklich nur wir drei zusammen machen können. Dreamteam, exakt auf einander abgestimmt. Einer war immer Stürmer. Wir spielten uns Momentmurmeln zu. Glitzer, Gefühl, Liebe und Zeitlosigkeit zu dritt und wenn es uns zu bunt wurde verzogen wir uns in Antons Zimmer und spielten Musikquiz. Theresa hat fast immer gewonnen, weil man auch Punkte bekam wenn die anderen 2 den Titel nicht erraten konnten. Sie war da immer fies und ich sah mich dann gezwungen zu mir zu rennen und meine fiesesten Platten rüber zu schleppen.

Und Jetzt der Nebel und es fühlt sich so an als hätte er Anton und seine Gedanken verschluckt. Dann will ich manchmal „gib ihn wieder her“ brüllen, aber das bringt es nicht.  

„Als hätten sich die letzten 7 Jahre auf mein Herz gesetzt, so war das. Weißt du, ich kann dir eigentlich nicht beschreiben wie schlimm das in diesem Moment war. Ich habe einfach 7 Unterhosen eingepackt, 7 Shirts, 3 Pullover und eine Kapuzenjacke, habe die Tür 3 mal abgeschlossen bin zum Bahnhof gelaufen und nach Tegel gefahren. Dann habe ich bei Air Berlin nach dem billigsten Flug jetzt sofort gefragt. Und es war Oslo. Ich habe fast geheult vor Glück, schnell bezahlt und die Dame meinte jetzt müsse ich richtig schnell sein und es könnte passieren dass sie mich nicht mehr  zur Startbahn bringen, aber dann würde sie mir das Geld zurück geben, ganz sicher. Aber es hat geklappt. Ich hab meine schönsten Wörter raus geholt und allen ewige Dankbarkeit versprochen.“ Jetzt sitzt er hier und alles ist so als wäre das alles nicht passiert. Er sieht gut aus, hat sich erholt frei gemacht, etwas abgeschüttelt. „Ich werde wieder zurück fliegen, noch in diesem Jahr. Bis dahin muss ich hier alles klären, ohne Scheiß ich will weg Lisa“ Anton schaut mich an als hätten 20 Rotweiler einen Dackel umzingelt und er müsse ihn retten. Dann fing seine Geschichte an. Natürlich eine Frau, aber jetzt ist es nicht mehr die Selbe wie am Anfang. Er hat „so krasse Sachen erlebt. Du glaubst es nicht Lisa. In der ersten Nacht habe ich ja wie gesagt bei dieser wundersamen Frau übernachtet. Und dann haben uns wir uns fürchterlich angebrüllt nach dem Frühstück und es war einfach grausam, so dass ich gehen musste. Die drei nächsten Nächte habe ich fast einfach nicht geschlafen. Ich hab soviel Osloer Subkultur erlebt wie niemand sonst habe ich das Gefühl. Und ja dann traf ich irgendwann Karla. Als sie zum ersten Mal den Raum betrat, war ich gerade aufgestanden und saß mit meinem Bierbauch in Shorts auf der Couch. Schrecklich peinlich war das, sie ging dann zum Glück erst ein Mal direkt aufs Klo so dass ich mich anziehen konnte.“ Er hört gar nicht mehr auf von sich und seiner Karla zu reden und wie und wo sie heiraten werden und das wir alle dabei sein sollen und die Gästeliste ist jetzt schon gefühlt bei über 3Mio.

 …

“eines tages”

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